Amenorrhoe: Wenn die Menstruation ausbleibt

Amenorrhoe: Wenn die Menstruation ausbleibt

Der weibliche Zyklus ist ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. Es ist jedoch ein so wichtiges, da unsere Hormone und auch der weibliche Zyklus einen enormen Einfluss auf unseren Körper sowie unser Wohlbefinden haben. Ein totgeschwiegenes aber absolut bekanntes Problem ist Amenorrhoe – Das Ausbleiben der Periode. Ich bin ebenfalls betroffen und möchte dir heute mögliche Ursachen, Folgen und Therapiemöglichkeiten aufzeigen und dir von meiner persönlichen Erfahrung berichten.

  • Was ist Amenorrhoe?
  • Welche Ursachen liegen Amenorrhoe zu Grunde?
  • Welche Folgen kann Amenorrhoe mit sich bringen?
  • Wie kannst du den Körper bei Amnorrhoe natürlich unterstützen?

Was ist Amenorrhoe?

Mit dem Begriff Amenorrhoe bezeichnet man das Ausbleiben der Regelblutung. In der Schwangerschaft oder der Stillperiode ist das ein ganz natürlicher Zustand. Außerhalb dieser Zeit wird unterschieden in eine primäre und sekundäre Amenorrhoe. In diesem Artikel soll es um die Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten der sekundären Amenorrhoe gehen. Von einer sekundären Amenorrhoe spricht man, wenn ein normaler Zyklus bereits vorhanden war, bevor die Blutung ausgeblieben ist.

Ursachen für Amenorrhoe?

Amenorrhoe selbst ist nicht gefährlich, aber die Ursache kann es sein. Deshalb sollte eine ausbleibende Regel immer als Signal des Körpers angesehen und die Ursache abgeklärt werden. Wenn die Ursache gefunden und behandelt wird, setzt im Allgemeinen auch die Regelblutung wieder ein.

Mögliche Störfaktoren, die deine Hormone aus dem Gleichgewicht bringen können sind psychische oder physische Belastungen, wie beispielsweise Stress, Reisen, Leistungssport und Übertraining, anstehende wichtige Entscheidungen oder familiäre Ereignisse. Was genau durch derartige Stressoren auf hormoneller Ebene passiert, ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Man geht jedoch davon aus, dass solche Situationen Fehlfunktionen im Nervensystem auslösen können, die sich auf die Hormonregulation auswirken. Vor allem können auch große Gewichtsschwankungen oder starker Gewichtsverlust – wie es zum Beispiel häufig bei Magersucht der Fall ist – zum Ausbleiben der Periode führen. Aber auch Essstörungen wie Bulimie, Binge Eating, extreme Low-Carb-Diäten oder Kalorienrestriktionen führen häufig zum Ausbleiben der Monatsblutung. Darüberhinaus können Hormonstörungen und Stoffwechselerkrankungen sekundäre Amenorrhoe auslösen. Seltenere Ursachen sind schwere Erkrankungen und Medikamente, wie z. B. therapeutische Hormonpräparate oder Krebsmittel, aber auch Psychopharmaka und Blutdrucksenker. Nicht zuletzt kann es auch nach dem Absetzen der Anti-Baby-Pille zum Ausbleiben der Periode kommen, bis sich der Zyklus wieder normalisiert hat.

Die möglichen Ursachen für Amenhorroe können also sein:

  • Medikamente: Hormonpräparate, Krebsmittel, Psychopharmaka, Kortison, Blutdrucksenker und andere Medikamente
  • Erkrankungen: Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen an Eierstöcken, Gebärmutter, Zysten, Gehirnentzündungen, Tumor-Erkrankungen, chronisches Nierenversagen, Erkrankungen der Nebenniere und anderen Krankheiten
  • Ernährung: Starke Gewichtsabnahme, Radikaldiäten, Low-Darb-Diäten, Nährstoffmangel
  • Essstörungen: Bulimie, Binge Eating, Magersucht, Orthorexie
  • psychischer Stress: emotionale Belastungen, Spannungszustände, Angstzustände, Depressionen
  • physischer Stress: Zeitverschiebungen, Schlafmangel, toxische Einwirkungen, u.Ä.
  • Leistungssport und Übertraining
  • Trainingszustand, Belastungsart/-intensität/-dauer
  • Körper-/Umgebungstemperatur
  • Absetzen hormoneller Verhütungsmittel
  • Eisen- oder Vitamin B-12 Mangel

Folgen für Amenorrhoe?

Ursprung einer Amenorrhoe stellt immer eine Dysbalance im Hormonhaushalt dar. Da die weiblichen Hormone weit mehr als nur die Fruchtbarkeit der Frau beeinflussen, bedeutet eine Störung des weiblichen Zyklus nicht nur das Ausbleiben eines möglichen Kinderwunsches.

Ich persönlich habe mit 23 Jahren das erste Mal auf natürlichem Wege meine Regelblutung bekommen. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich sie bis dato auch nie vermisst. Grund für die späte Blutung war meine vorangegangene jahrelange Mager- und Sportsucht. Zwar wurde mir mit 16 Jahren die Pille verschrieben, um Nebenwirkungen wie Osteoporose vorzubeugen, allerdings hat diese nicht dazu beigetragen die natürliche Produktion meiner Sexualhormone anzuregen.

Zwei Jahre nachdem ich die Pille auf eigenen Wunsch abgesetzt habe, hatte ich meine erste Blutung. Die Freude war natürlich riesig. Endlich hatte ich das Gefühl eine Frau zu sein und vor allem den Kampf gegen die Magersucht gewonnen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits den Plan gefasst an einem Bodybuilding Wettkampf in der Bikini Klasse teilzunehmen. Meine Frauenärztin empfahl mir die bevorstehende Diät zwar nicht, allerdings traf sie auch keine konkreten Aussagen die gegen die Wettkampfdiät sprachen. Somit verfolgte ich mein Ziel auf der Bühne eine „gute“ Form abzuliefern weiter. Zunächst bekam ich auch weiterhin meine Periode, wenn auch in unregelmäßigen Abständen. Zum Ende der Diät viel sie jedoch aus und kam nicht wieder. Seitdem kämpfe ich mit wirklich sehr unangenehmen Nebenwirkungen – dazu zählt unter anderem ein dauerhafter Ermüdungszustand, depressive Verstimmungen, Gefühlsschwankungen, plötzlich auftretende Ängstlichkeit und Niedergeschlagenheit, Heißhunger, Gewichtszunahme und Lustlosigkeit . Erst jetzt verstehe ich welche fatalen Folgen das Ausbleiben der Periode mit sich bringt. 

Natürlich leidet nicht jeder unter den gleichen Begleitsymptomen. Je nachdem, welche Erkrankung oder Störung Amenhorroe ausgelöst hat, können folgende Symptome auftreten:

  • seelische Verstimmungen, nervöse Reizzustände und Depressionen
  • Wassereinlagerungen
  • Akne
  • verstärkte Körperbehaarung
  • Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
  • Verlust der Libido
  • Ermüdungszustände

Wie bereites erwähnt, stellt Amenorrhoe nur ein Symptom dar, welches nicht gefährlich ist. Sie sollte allerdings immer als Signal des Körpers gedeutet und ihre Ursache behandelt werden. Langfristig kann das Ausbleiben der Regel durch einen zu niedrigen Oestrogenspielgel zu Störungen des Knochenstoffwechsels und damit zu Knochenschwund/-abbau (Osteoporose) führen. Frauen mit ausbleibender Regel und niedriger Kalorienzufuhr sowie viel Sport sind ganz besonders gefährdet für bestimmte Verletzungen und Knochenbrüche. Auch bekannt unter „Female Athlete Triad“. Darüberhinaus können je nach Ursache unterschiedliche Auswirkungen auf den Alterungsprozess, die Durchblutung, Haut, Haare und Nägel auftreten. Auch leiden viele Frauen lange Zeit noch unter Stimmungsschwankungen und kognitiven Störungen. Da Hormone ebenfalls auf unsere Verdauung und unseren Stoffwechsel wirken, können bei einem gestörten Hormonhaushalt auch die Stoffwechselrate und Verdauung negativ beeinflusst werden.

Wie behandelt man Amenorrhoe?

Da die Ursachen so zahlreich sind, gibt es bei der Behandlung von Amenorrhoe keine eindeutige Therapie. Sie sollte vielmehr individuell abgestimmt werden. Fakt ist – tritt Amenorrhoe bei dir auf, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen, Blutwerte und Hormone bestimmen und dich von ihm beraten lassen. Leider kennt sich nicht jeder Arzt damit differenziert aus, so dass du möglicherweise einen Endokrinologen aufsuchen solltest. Wichtig ist immer die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung. Dies führt in den meisten Fällen automatisches zum Wiederauftreten der Regelblutung.

Eine Möglichkeit zur Unterstützung ist immer die Reduktion von Stressfaktoren aller Art. Bereits kleine Stressoren können sich enorm auf unseren Hormonhaushalt auswirken und ihn damit durcheinanderbringen. Durch Entspannungstechniken, Arbeit an deiner Psyche und gegebenenfalls die Behandlung durch einen Psychotherapeuten sowie moderatem Sport tust du dir also in jedem Fall etwas Gutes. Vor allem bei Essstörungen wie Magersucht und Bulimie sollte das Ziel nicht in erster Linie die wieder auftretende Regelblutung, sondern vielmehr das Erreichen eines normalen Körpergewichts und dauerhafte Nährstoffversorgung sein. Ist dies eine Weile konstant, so setzt meist auch automatisch die Menstruation wieder ein. Sei dabei jedoch geduldig. Der Körper braucht eine Weile (je nach dem wie lange die Symptomatik deiner Essstörung bereits andauert) um den Hormonhaushalt zu regulieren. Ergänzend kannst du Vitamin D und Calcium Präparate nehmen, um dem Abbau deiner Knochen entgegenzuwirken. Auch eine Zugabe von Vitamin B 12 und Eisen können deine Stimmung verbessern und dich langfristig in deiner Genesung unterstützen. Möglicherweise verschreibt dir deine Frauenärztin auch künstliche Präparate um die Östrogenproduktion deines Körpers zu stimulieren.

Häufig empfehlen Frauenärzte beim Ausbleiben der Periode die Einnahme der Anti-Baby-Pille. Die Pille vermindert zwar die Auswirkungen im Sinne des Knochenschwunds, allerdings ist damit die Ursache nicht behoben. Bevor du zur Pille greifst, um deine hormonellen Störungen und Amenorrhoe zu behandeln, empfehle ich dir mehrere Meinungen von unterschiedlichen Ärzten einzuholen.

Ich persönlich achte darauf regelmäßig für ausreichend Entspannung zu sorgen durch Spaziergänge in der Natur, Meditation oder Aktivitäten mit guten Freunden.  Außerdem versuche ich mein Sportpensum etwas herunter zu schrauben und mir und meinem Körper mehr Regenration zu gönnen. Darüberhinaus supplementäre ich Vitamin D, Vitamin B 12 und Eisen Präparate und versuche mehr Milchprodukte in meiner Ernährung zu integrieren. Eine Hormonersatztherapie habe ich nur für einen kurzen Zeitraum gemacht, da ich keine positiven Veränderungen wahrnehmen können und vermehrt mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen hatte.

Wie Ihr seht ist die Behandlung einer Amenorrhoe sehr individuell zu betrachten und erfordert ein gutes Körpergefühl und viel Achtsamkeit. Gönnt Euch daher regelmäßige Auszeiten um in Euren Körper hineinzuhorchen. Wichtig ist, dass Ihr Euch nicht dafür verurteilt im Moment nicht so leistungsfähig zu sein wie gewohnt. Je mehr Ihr Euch stresst, desto langsamer wird sich Euer Hormonhaushalt regenerier.

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